Versicherung15. März 20265 Min. Lesezeit

KI-Agenten für Versicherungen: Ansprüche, Underwriting und der Übergang zur visuellen Dokumentation

Versicherungen sind dokumentenlastig, prozessgesteuert und reif für KI-Agenten. So verändern multimodale Agenten die Schadensbearbeitung, das Underwriting und die Kundenbindung.

Die Versicherung basiert auf Dokumenten, Fristen und Telefonanrufen. Versicherungsnehmer rufen an, um Ansprüche einzureichen, den Status zu überprüfen, Fragen zum Versicherungsschutz zu stellen und Policen zu erneuern – oft in den stressigsten Momenten. Die Branche bearbeitet jährlich Hunderte Millionen Schadensfälle, die jeweils Aufnahme-, Überprüfungs- und Kommunikationsschleifen erfordern, die die Zeit des Schadensregulierers in Anspruch nehmen und die Geduld der Kunden auf die Probe stellen. KI-Agenten sind hier nicht nur hilfreich – sie sind auch strukturell für die Skalierung notwendig.

Schadensautomatisierung: von der ersten Meldung bis zur Lösung

Die erste Schadensmeldung (First Notice of Loss, FNOL) ist der Eingangspunkt für jeden Anspruch. Normalerweise ruft ein Kunde an, wartet in der Warteschleife und verbringt dann 15 bis 20 Minuten damit, einem Agenten einen Vorfall zu schildern, der die Details manuell in ein Schadensmanagementsystem eingibt. Ein KI-Agent komprimiert dies zu einem strukturierten 5-minütigen Gespräch, sammelt alle erforderlichen Informationen – Datum, Ort, beteiligte Parteien, Schadensbeschreibung, Versicherungsnummer – und speichert sie direkt im System.

Über FNOL hinaus bearbeiten Agenten die Folgeanrufe, die die Telefonleitungen verstopfen: Anfragen zum Anspruchsstatus, Erinnerungen an die Einreichung von Dokumenten und Aktualisierungen der Zahlungsfristen. Diese machen den Großteil des Anrufvolumens nach der Einreichung aus und sind vollständig automatisierbar.

Visuelle Dokumentation verändert den Schadenprozess

Hier verändert die multimodale Fähigkeit speziell die Versicherung. Während eines Schadensanrufs bittet ein rein sprachgesteuerter Agent den Kunden, den Schaden zu beschreiben. Ein multimodaler Agent sagt: „Können Sie mir den Schaden vor der Kamera zeigen?“ Ich werde es für Ihren Anspruch dokumentieren.' Der Kunde hält sein Telefon hoch und der Agent erfasst mit Zeitstempel versehene visuelle Beweise – verbeulter Kotflügel, wassergeschädigte Decke, zerbrochenes Fenster – direkt in der Schadensakte.

Dies ist keine inkrementelle Verbesserung. Es entfällt das Hin und Her, bei dem Schadensregulierer Fotos separat per E-Mail anfordern, Kunden es vergessen und Ansprüche tagelang ins Stocken geraten. Der visuelle Beweis wird im selben Gespräch wie der mündliche Bericht gesammelt und sofort dem Schadensprotokoll beigefügt.

  • Kfz-Versicherung: Echtzeit-Fotoerfassung von Fahrzeugschäden während eines FNOL-Anrufs
  • Sachversicherung: visuelle Dokumentation von Sturmschäden, Wassereinbrüchen oder Diebstahlbeweisen
  • Krankenversicherung: visuelle Bestätigung der medizinischen Dokumentation zur Vorabgenehmigung
  • Dokumentenüberprüfung: Der Versicherungsnehmer zeigt seinen Ausweis, seine Versicherungserklärungsseite oder seinen Reparaturvoranschlag vor der Kamera

Underwriting und Policenmanagement

Über Schadensfälle hinaus bedienen KI-Agenten Underwriting- und Retention-Workflows. Bei Anfragen zu neuen Policen sammelt der Agent die Informationen des Antragstellers, erstellt vorläufige Angebote auf der Grundlage der Underwriting-Regeln und vereinbart mit einem lizenzierten Agenten eine verbindliche Nachverfolgung. Bei Verlängerungen erinnern proaktive ausgehende Anrufe die Versicherungsnehmer an bevorstehende Ablauffristen und führen sie durch Änderungen der Deckung – eine Interaktion, die die Bindungsraten verbessert und Cross-Selling-Möglichkeiten schafft.

Regulatorische Überlegungen

Die Versicherungsvorschriften variieren je nach Staat und Branche. KI-Agenten müssen mit gebietsspezifischen Offenlegungen konfiguriert sein, können ohne menschliche Zustimmung keine verbindlichen Deckungsentscheidungen treffen und müssen sich eindeutig als KI identifizieren, wenn dies gesetzlich vorgeschrieben ist. Die Anforderungen an die Einwilligung zur Aufzeichnung unterscheiden sich je nach Bundesstaat. Der Konversationsfluss muss diese Regeln strukturell durchsetzen – durch obligatorische Knoten im Workflow und nicht nur durch Aufforderungsanweisungen, die über Halluzinationen hinweg halluziniert werden können.

ROI in der Versicherung

Der finanzielle Fall ist unkompliziert. Allein die FNOL-Automatisierung reduziert die durchschnittliche Aufnahmezeit von mehr als 15 Minuten auf unter 5. Durch die visuelle Dokumentation entfallen zwei bis drei Folgekontaktpunkte pro Schadensfall. Durch die Umleitung der Statusabfrage wird der Anrufgrund mit dem höchsten Volumen aus menschlichen Warteschlangen entfernt. Zusammengefasst verzeichnen Netzbetreiber, die KI-Agenten für diese Arbeitsabläufe einsetzen, in der Regel eine Reduzierung der Verwaltungskosten pro Schadensfall um 40–60 %, wobei sich die schnellste Amortisierung durch die Umleitung von Statusabfragen ergibt – dem einfachsten Anwendungsfall mit dem höchsten Anrufvolumen.

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